Die Uhr tickt: Anfang April übernimmt eine Bürgerinitiative die
Regie in der Mölkauer Stadtteilbibliothek. Zwar hat das in Leipzig
einzigartige Projekt viele Anhänger gefunden. Doch kurz vor dem
Start zeigt sich einmal mehr, dass der Teufel im Detail steckt. Vor
kurzem absolvierten fünf ehrenamtliche Mitstreiterinnen ihren ersten
Schnupperkurs in der Bibliothek.
Eineinhalb Stunden war volle Konzentration gefragt. Eva Jung, die
städtische Bibliothekarin, führte fünf ältere Damen durch ihr Reich:
78 Quadratmeter im Untergeschoss der Mölkauer Grundschule, rund 9000
Bücher und Medien fein säuberlich nach Fachgebieten aufgereiht -
Romane, Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur und vieles andere.
Im Vergleich zu anderen Leipziger Büchereien, die zum Teil mehr als
40.000 Bände führen, ist die Mölkauer Stube eine kleine Bibliothek;
dennoch ist sie eine, die nach allen Regeln der Kunst arbeitet.
Ende April sollen die fünf Besucherinnen sich hier wie zu Hause
fühlen. Sie werden die Ortsbibliothek ehrenamtlich führen, wenn die
städtische Mitarbeiterin abgezogen wird. Zur Erinnerung: Im Dezember
beschloss der Stadtrat, die Stadtteilbibliothek in Mölkau zu
schließen. SPD-Stadtrat Christian Jonas regte damals an, die
Bücherei in Trägerschaft eines ortsansässigen Vereins weiter zu
führen und fand Unterstützung beim Heimat- und Kulturverein. Auch
Kulturdezernent Georg Girardet sagte seine Hilfe zu: Ehrenamtliches
Engagement im Kulturbereich sei viel zu selten, lobte er.
Inzwischen zeigen sich die Mühen der Ebene: Ihren Schnupperkurs
für die künftigen Bibliothekarinnen beginnt Eva Jung mit den
farbigen Klebern auf den Buchrücken. Gelb für kleinere Kinder, rot
für ältere. Schwieriger ist schon das Alphabet der Sachbücher: Die
sind nicht nur nach Buchstaben geordnet, sondern auch nach Nummern.
Wie mit säumigen Lesern umzugehen ist, und nach welchem Prinzip
Karteikarten beschriftet werden - auch das gehört zum Einmaleins der
Bibliotheken.
Freilich kommen die Ehrenamtlichen nicht ohne Sicherheitsnetz:
Vier Wochen lang arbeiten sie sich gemeinsam mit der städtischen
Bibliothekarin ein; auch später noch will die Fachkraft helfen.
Außerdem steht ihnen eine hochkarätige Arbeitsgruppe zur Seite:
Hildegard Wagenbreth leitete früher die Fachschule für Bibliothekare
Erich Weinert, Robert Korff und Christian Jonas vertreten den
Heimat- und Kulturverein und die Politik.
Dennoch sind eine Menge Details zu klären: Zwar sollen die Bücher
bleiben, doch die Registrierkasse nimmt die Stadtbibliothek mit. Die
Schlüsselübergabe muss mit der Schulleiterin abgestimmt werden, und
die Ehrenamtlichen brauchen eine Versicherung. Mölkauer
Bibliotheksnutzer werden eine eigene Benutzergebühr bezahlen müssen
und dennoch ein Konkurrenzangebot der Stadt bekommen. Denn in Mölkau
hält auch der Bücherbus der Stadt, wie im Stadtratsbeschluss
vorgesehen. Und immer noch steht eine schriftliche Bestätigung der
versprochenen Zuschüsse aus.
Erst kürzlich regte sich daher Unmut im Heimat- und Kulturverein.
Erst wenn die Fragen nach Miethöhe, Laufzeit, Kündigungsfristen und
Nebenkosten schriftlich beantwortet seien, könne sich der Heimat-
und Kulturverein endgültig positionieren, hieß es sinngemäß in einem
Brief, der Stadtrat Christian Jonas vor einigen Tagen zuging.
Die Vorbereitungen für den Tag X der Mölkauer Bibliothek laufen
trotzdem weiter. "Die Bibliothek muss für die Bürger erhalten
blieben", sagt Vereinschef Robert Korff. "Das ist das Wichtigste."
Und auch die Helferinnen stehen zu ihrem Angebot: "Die Arbeit hier
wird mir Spaß machen", ist Waltraut Schindhelm überzeugt.
Stephanie von Aretin