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«MŲlkauer hat Mittel gegen Graffiti» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 2. März 2004

Mölkauer hat Mittel gegen Graffiti


Wo vor vier Minuten noch ein knallrotes Kreuz eine hellgraue Garageneinfahrt verunstaltet hat, glänzt die Wand sauber in der Nachmittagssonne. Heinz Albrecht, Tüftler aus Mölkau, hat mit dem Lack "Graffiti Blocker" ein Mittel gegen die Schmierereien erfunden: Wand präparieren, im Falle eines Falles dann nur noch heißes Wasser auf die gesprayten "Verzierungen" geben, mit einem Schwamm schrubben - das Graffiti ist verschwunden.

Zusammen mit einer Chemiefirma aus dem Rheinland hat der 45-jährige Albrecht eine umweltverträgliche Lösung des Graffiti-Problemes entwickelt. Der Lack, basierend auf moderner Kleinstteilchen-Technologie, wird auf die zu schützende Wand aufgebracht. "Nach dem Antrocknen des ‚Graffiti Blockers' ist die Fläche gegen jegliche Verunreinigung durch Lackfarben oder Edding-Stifte resistent", so Heinz Albrecht. Gegen die Ablagerungen von Partikeln aus Autoabgasen soll das Präparat, das mit handelsüblichem Pinsel oder einer Malerrolle aufgetragen wird, ebenfalls schützen. Kleinere Flächen können, wie im Feldversuch erprobt, mit heißem Wasser und einem grobem Haushaltsschwamm ganz einfach gesäubert werden - durch das heiße Wasser werden Lack samt Graffiti abgelöst.

Sollten die "Künstler" größere Flächen verunstaltet haben, so ist das laut Erfinder auch kein Problem: "Mit einem mindestens 90 Grad Celsius heißen Dampfstrahl kann die Folie samt störendem Graffiti entfernt werden, das Schrubben entfällt komplett". Die dazu nötigen Gerätschaften seien in fast jedem Baumarkt mietbar. Bedenken, dass der Lack in der Sommerhitze von alleine schmilzt, müssten die Anwender nicht haben - die Ablösung resultiere allein aus der Kombination von hoher Temperatur und Feuchtigkeit.

Um die Wand nach dem Waschgang wieder zu schützen, muss die Beschichtung jedoch erneuert werden. Die nächste Generation des luftdurchlässigen Schutzlacks, der nach der Graffiti-Entfernung nicht mehr neu aufgetragen werden muss, ist derzeit in der Erprobungsphase und soll im dritten Quartal dieses Jahres verfügbar sein. Ein interessanter Nebeneffekt der innovativen Erfindung: "Durch das vergleichsweise einfache Entfernen des Graffiti von der Folie hält sich der Zeit- und Finanzaufwand in Grenzen", so Albrecht. Innerhalb weniger Minuten sei die "aufgezwungene Kunst" abgewaschen. Herkömmliche Schutzfolien und Lacke auf Silikonbasis kosteten zwischen 30 und 50 Euro pro Liter, eine fachgerechte Entfernung durch einen Spezialbetrieb schlage mit einem Quadratmeterpreis von bis zu 40 Euro zu Buche. Zwar stehe der endgültige Liter-Preis des "Graffiti-Blockers" noch nicht fest, doch soll er den Endverbraucher nur einen Bruchteil der bisher üblichen Summen kosten. Zudem bedürfe es für den Schutz eines Quadratmeters Wand weniger als 200 Milliliter Lack, erläutert der Mölkauer den Materialverbrauch.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Stadt Leipzig rund zwei Millionen Euro Schäden durch Schmierereien. So freut sich der städtische Graffiti-Beauftragte Jörg Zimmermann denn auch, dass sich mit Albrecht ein Anbieter aus der Region gefunden hat, der Hauseigentümern hilft, die Schmierereien "kostengünstig und rasch" zu entfernen. "Wir würden es begrüßen, wenn Herr Albrecht aktiv im Aktionsbündnis ‚Stattbild' mitwirken würde", so der Leiter des Stadtordnungsdienstes.

Frank Schmiedel


Kontakt: NanoEffektLE@aol.com



 
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