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«Mölkaus Museumsmacher zieht es in die Innenstadt» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 8. Februar 2004

Mölkaus Museumsmacher zieht es in die Innenstadt


Das Kamera- und Fotomuseum in Mölkau soll auf längere Frist in die Innenstadt ziehen. Die beiden Leiter, Andreas J. Mueller und seine Lebensgefährtin Kerstin Langner, fürchten am Stadtrand angesichts immer geringer werdender Zuschüsse um ihre Zukunft. Die renommierten Ausstellungsmacher wollen erreichen, dass in einem der Winkel am Rande des Bildermuseums eine große Sammlung entsteht.

Ein Blick auf den Briefkopf macht deutlich, wohin es die Mölkauer Museumsleute schon seit längerem treibt: "Kamera- und Fotomuseum Leipzig" steht da, von Mölkau ist nicht mal in der Unterzeile die Rede. Dass der Umzug ins Stadtzentrum noch nicht erfolgt ist, liegt an denselben Gründen, die für den Umzug sprechen: "Jährlich knapper werdende Kulturmittel sind nicht die beste Voraussetzung, zu expandieren", sagt Andreas J. Mueller, der auch für seine Karikaturen bekannt ist.

Dabei ist der Stellenwert des Mölkauer Fotomuseums unbenommen: In einem einschlägigen Journal ist derzeit nur eine einzige weitere Fotoausstellung in den neuen Bundesländern verzeichnet - in einer Galerie in Dresden. Das Kamera- und Fotomuseum zeigt derzeit zudem eine Legende der deutschen Fotokunst: August Sander (1876-1964) fotografierte "Menschen des 20. Jahrhunderts" - und wie nur wenige andere seiner Zeit griff er dabei nicht auf stilisierte Motive zurück, sondern lichtete die Menschen in ihrem natürlichen Umfeld oder vor weißem Hintergrund ab. Knapp hundert Jahre sind manche Aufnahmen alt, und doch könnten einem viele seiner "Typen" heute noch begegnen: der katholische Pfarrer, der Jungunternehmer oder der Handlanger. Insgesamt 70 Porträts hat das Mölkauer Museum aus der Stiftung Moritzburg in Halle entliehen und zeigt sie noch bis zum 14. März.

Bei fast allen Ausstellungen konnte das Museum bisher auf eine treue Fangemeinde zählen - "manch einer kommt aus dem Erzgebirge oder Erfurt", erzählt Mueller. Dennoch geht auch in Mölkau die Angst um. Die Angst, der Kulturetat werde einmal so weit zusammengestrichen, dass sich die feine, aber kleine Sammlung am Stadtrand nicht mehr halten ließe. "Die Masse, die unseren Bestand garantieren würde - die haben wir nicht", sorgt sich Mueller. Bisher ist es dem Museum immerhin gelungen, die jährliche Kürzung der öffentlichen Gelder über Sponsoren größtenteils aufzufangen.

So überwiegen nachdenkliche Töne in einem Jahr, in dem das Museum eigentlich Grund zum Feiern hat: Die Ausstellung "August Sander" ist die 50. Sonderausstellung, seit das Museum vor 15 Jahren gegründet wurde. Nach dem Tod des früheren Leiters Peter Langner öffnete die Sammlung vor zehn Jahren ein zweites Mal. Im August sollen die Jahrestage mit einer Sonderausstellung zeitgenössischer Fotografie würdig begangen werden. Dennoch fällt ein Rückblick verhalten aus: "Natürlich fragt man sich, ob man auf der Stelle tritt und wie es voran gehen kann", sagt Mueller.

Der Traum des Mölkauer Museumsleiters für das nächste Jahrzehnt sieht also so aus: In einem der Eckbauten am Rand des Bildermuseums soll eine große Foto- und Kamerasammlung entstehen. Eine, die sowohl die Mölkauer Bestände als auch das so genannte Sander'sche Vermächtnis - einen Fotoschatz, der laut Mueller derzeit im Grassimuseum lagert - vereinen würde. "Dort könnten wir viele Bilder zeigen, die zur Zeit dicht gedrängt im Archiv schlummern", sagt Mueller. Dort wäre auch Platz für Sonderausstellungen, die im engen Mölkauer Fachwerkhaus nicht möglich sind. "Auch wenn viele Mölkauer das Museum zu einem Sonntagsausflug nutzen - es macht Sinn, Kultur an einem Ort zu konzentrieren", ist der Museumsleiter überzeugt.

Stephanie von Aretin

Die Ausstellung "August Sander" im Kamera- und Fotomuseum Leipzig, Gottschalkstraße 9, ist mittwochs, samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet.



 
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