Ab 2009 soll es in Leipzig keine Ortschaftsräte mehr geben. Mit
diesem Vorschlag will die Verwaltungsspitze das Nebeneinander von
Mitbestimmungsgremien beenden. Das Konzept sieht für die Zukunft
zehn Stadtbezirksbeiräte mit leicht erweiterten Kompetenzen vor.
Konsequenz für vier Ortsvertretungen: Ihre bis 2014 zugesicherte
Existenz wäre in Frage gestellt.
Ortschaftsräte gibt es in Leipzig seit den Eingemeindungen der
späten 90er-Jahre - als Interessenvertreter der neu integrierten
Dörfer. Die freiwillig nach Leipzig gekommenen Orte Wiederitzsch,
Lindenthal, Lützschena-Stahmeln und Böhlitz-Ehrenberg handelten aus,
dass ihre gewählten Mitbestimmungsgremien mindestens bis 2014
bestehen bleiben. Für weitere zehn Ortsräte läuft die
Bestandsgarantie hingegen 2004 aus. Das betrifft Engelsdorf, Mölkau,
Holzhausen, Liebertwolkwitz, Burghausen, Rückmarsdorf, Plaußig,
Seehausen, Miltitz und Hartmannsdorf-Knautnaundorf. Daneben
existieren noch zehn Beiräte in den "alten" Leipziger Stadtbezirken
- Gremien, deren Mitglieder nicht gewählt, sondern durch die
Parteien berufen sind. Theoretisch vertreten sie den gesamten
Stadtbezirk und damit auch die eingemeindeten Ortsteile.
Nun soll es ab 2009 nur noch Stadtbezirksbeiräte geben. "Wir
hätten dann in absehbarer Zeit eine einheitliche Lösung", begründet
Beigeordneter Andreas Müller (SPD) den Vorschlag. Bis 2009 würden
dann auch diejenigen Ortsräte weitergeführt, die 2004 auslaufen
sollten. Dann wäre Schluss - falls der OBM die vertraglich
abgesicherten Räte davon überzeugen kann. "Wir wollen keinen Druck
ausüben", versicherte Müller gestern. Erste Reaktion der
Betroffenen: Man könne sich kaum vorstellen, auf die erweiterten
Rechte zu verzichten, so die Chefs aus Lindenthal und Wiederitzsch,
Thomas Kuhnert und Andreas Diestel.
Ortschaftsvertreter dürfen im Stadtrat reden und Anträge stellen;
auch vergeben sie in bescheidenem Maße städtisches Geld,
insbesondere zur "Brauchtumspflege". All diese Rechte haben die
Stadtbezirksbeiräte nicht. PDS und Grüne haben deshalb
vorgeschlagen, die Ortschaftsverfassung auf ganz Leipzig auszudehnen
(die LVZ berichtete). Müller will stattdessen die Rechte der
Stadtbezirksbeiräte erweitern. Die sollen künftig auch bei den
Themen Grünanlagenpflege und Straßenbau im Vorfeld von
Entscheidungen ihre Meinung sagen können. Vorschlags-, Antrags- und
Budgetrechte bleiben ihnen jedoch verwehrt.
Die Stadt plant zudem eine Verkleinerung der Ortschaftsräte für
die Wahlperiode von 2004 bis 2009. Bis dato umfassen die Gremien
meist neun, in kleineren Ortsteilen sieben, im größeren Engelsdorf
elf Personen. Für die Zukunft vorgesehen sind je nach Einwohnerzahl
fünf bis neun Leute. Dies diene dazu, das jetzige "Missverhältnis"
etwas zu verringern, heißt es. Nach aktuellen Stand vertreten 118
Mitglieder von Ortsräten 66 000 Bürger aus den 14 neuen Ortsteilen,
während nur 110 Damen und Herren in zehn Stadtbezirksbeiräten für
die mehr als 400 000 Menschen im restlichen Leipzig mitreden.
Ob das neue Konzept im Herbst im Stadtrat eine Mehrheit findet,
ist fraglich. Nach jetzigem Stand will die CDU am Auslauftermin 2014
festhalten, PDS und Grüne an flächendeckenden Ortsräten.
Thomas Müller