Das dramatische Wochenende im Januar ist allen noch gut im
Gedächtnis: Die Nacht, in der Anwohner darüber wachten, dass der
kleine Damm am Feldrain nicht brach; der Einsatz der Feuerwehr, die
Kies und Sandsäcke brachte; die Furcht um den teuren Heizkessel im
Keller, in dem das Wasser bereits einen halben Meter hoch stand.
Die Rede ist nicht von Grimma oder anderen Muldestädtchen,
sondern vom Hommelweg in Mölkau. Dessen Anwohner haben das Pech, am
Rand eines großen abschüssigen Feldes zu liegen. Auf dem gefrorenen
Boden staute sich das Wasser zu riesigen Seen, lief bis in die
Keller der weiter entfernt liegenden Osthöhe-Gebäude und überflutete
die Kanalisation im ganzen Viertel. So wie den Mölkauern ging's in
diesem Winter vielen Hausbesitzern in ländlichen Vororten um
Leipzig.
Jetzt, einem trockenen Maitag und bei Licht betrachtet, schien
eine Lösung des Problems nicht abwegig. Ortsvorsteher Volker
Woitynek hatte Anwohner, Vertreter der Kommunalen Wasserwerke
Leipzig (KWL), des Leipziger Tiefbauamtes, Stadtrat Christian Jonas
und den Feldbesitzer zum Ortstermin geladen. Doch schon nach den
ersten Sätzen war klar: Eine schnelle Abhilfe würde bei diesem
Termin nicht gefunden werden und aus freien Stücken ist niemand
bereit, größere Summen zu investieren.
Peter Radon, Teamleiter "Erschließung" bei den Kommunalen
Wasserwerken - die in dem Gebiet erst kürzlich ein
Kanalisationssystem verlegten - stellte klar, dass sein Unternehmen
zu den Geschädigten gehörte. Jeder private Grundbesitzer müsse laut
Gesetz darauf achten, dass Oberflächenwasser nicht wild von seinem
Grund auf öffentliche Flächen abfließe. Die Abflussrohre seien nur
für Schmutzwasser berechnet.
Der Feldbesitzer Alfred Steiner machte deutlich, dass ihm nur ein
drei Hektar langer, schmaler Streifen am Straßenrand gehört. "Wenn
die Stadt Leipzig das Gebiet endlich zum Bauland erklärt, bin ich
auch bereit, in die Kanalisation zu investieren", stellte Steiner
fest. Im Übrigen laufe das Wasser von der Kuppe des benachbarten
Feldes herunter.
Die Straße wiederum, darin waren Anwohner und Tiefbauamt sich
einig, war ebenfalls nicht an dem Wasserschwall schuld, obwohl sie
von keinem Graben begrenzt wird. Über die lose Teerschicht könne
Regenwasser gut versickern.
Probebohrungen sollen nun klären, wo auf dem Feld ein
Auffangbecken sinnvoll sein könnte. Ortsvorsteher Volker Woitynek
und Stadtrat Christian Jonas wollen sich um Kontakte zu einem
Ingenieursbüro kümmern. Nur - wer die Bohrung bezahlt, das weiß noch
keiner.
St. v. Aretin