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«Gut Mölkau ist privatisiert - Bio-Bauer hält an Konzept fest» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 24. Dezember 2002

Gut Mölkau ist privatisiert - Bio-Bauer hält an Konzept fest


Ein Weihnachtspräsent der besonderen Art hat sich die Stadt Leipzig gemacht: Gestern wurde mit notarieller Unterschrift das einstige ökologische Stadtgut Mölkau privatisiert. Der neue Besitzer - Sachsens vorgeblich größter Bio-Landwirt Hermann Moddemann - hat sich verpflichtet, den Charakter des Betriebes weiter zu profilieren. Anfang Januar will er auch das Gut Graßdorf übernehmen.

Es ist ein wahres Schmuckstück. Und die Menschen in der Region lieben es - das ehemalige Stadtgut in Mölkau. Seit gestern Nachmittag ist es privatisiert. Laut Vertrag bleibt das ökologische Profil ebenso wie der öffentliche Charakter erhalten. Unter der Firmierung "Stadtgut Mölkau GmbH" hat nun als Geschäftsführerin Carola Karsuntke das Sagen.

Eingefädelt und maßgeblich betreut wurde der Deal von Hermann Moddemann, der sich als Berater der neuen Geschäftsführerin versteht. Ob er der größte Biolandwirt Sachsens sei, mag der 35-Jährige selbst nicht einschätzen. Auf jeden Fall sei er einer der mutigsten und engagiertesten, ist sich der Abteilungsleiter im Leipziger Liegenschaftsamt, Ralph Rinner, sicher. "Ich bin froh, dass es noch Investoren gibt, die Mut und Initiative haben", strahlte Rinner nach der Vertragsunterzeichnung. Der juristische Aufwand sei sehr hoch gewesen, schließlich handelt es sich um die Privatisierung eines eingerichteten ökologischen Landwirtschaftsbetriebes mit totem und lebendigem Inventar sowie Arbeitskräften und Lehrlingen.

"Die Angestellten sollen die Übernahme als Neuanfang und Chance verstehen. Jeder muss sich jetzt mächtig drehen. Wer die Leistung nicht bringt oder nur mitlaufen will, war die längste Zeit auf dem Hof", stellte Moddemann klar. Schließlich soll das Gut binnen eines Jahres schwarze Zahlen schreiben.

Neben der biologischen Bewirtschaftung der von der Stadt gepachteten Flächen hat sich der neue Eigentümer verpflichtet, den öffentlichen Charakter des Betriebes weiter auszubauen. So werden in Zukunft die Besucher seltene Haustierrassen bestaunen und im Gutsrestaurant speisen können. Nach der Inventur soll die Gaststätte ab 6. Januar wieder öffnen. Verankern konnte die Stadt außerdem die Weiterfüh-rung der "Bauernhofschule". Schon tausende Leipziger Kinder konnten hier anschaulich erfahren, wie Korn zu Brot oder wie aus einem Ei ein Huhn wird. "Natürlich haben wir noch viele weitere Ideen. Doch ich halte nichts davon, vorher heiße Luft abzulassen, sondern lege später lieber Realitäten vor", sagte Moddemann.

So bestätigte er nur zurückhaltend, dass auch das Öko-Gut Graßdorf bald zu seinem "Imperium" gehört. Der vertraglich schwierige Grunderwerb des Landes von dritten Eigentümern habe verhindert, dass auch dieser Privatisierungsvertrag bereits gestern besiegelt werden konnte. Nun soll diese Transaktion Anfang Januar über die Bühne gehen. Auch im Tauchaer Ortsteil Graßdorf plant der Bio-Bauer, das auf Pferdehaltung ausgerichtete Profil weiterzuentwickeln.

Heinz Richter



 
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