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«Stadt sichert vergessene Fabrik in Mölkau» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Montag, 7. Februar 2005

Stadt sichert vergessene Fabrik in Mölkau


Die Fabrikhallen der ehemaligen Fahrzeug- und Transportgerätebau in der Paunsdorfer Straße müssen von der Stadt Leipzig gesichert werden. "In den kommenden zwei Wochen ziehen wir Zäune um das Gelände", sagt Klaus Wittmann im Amt für Bauordnung und Denkmalpflege. Auch die Fenster würden teilweise zugemauert. Der Eigentümer des Geländes ist derzeit nicht auffindbar, deshalb muss die Stadt in Vorleistung gehen.

Es war wohl ein ganz großes Ding, das die Walter Fürst GmbH und ihr Geschäftsführer Peter Küth 1991 vorhatten, als sie das Gelände des ehemaligen Fahrzeugherstellers in Mölkau übernahmen. Auf rund 20000 Quadratmeter schätzt Maximilian Hennig das Gelände, auf dem inzwischen nur noch mit Müll gefüllte Baracken stehen. Im Auftrag der GmbH hatte der öffentlich bestellte Vermessungsingenieur in den 90ern eine Bestandsaufnahme angefertigt. "Die wollten die Fläche verkaufen", erinnert er sich an den Zweck des Auftrags. Die Unterlagen, die er "von ganz unten aus dem Archiv ausgegraben hat", will er jetzt so weit rechtlich zulässig dem Mölkauer Ortschaftsrat zur Verfügung stellen.

Auch andere haben die letzten Jahre der ehemaligen Nähmaschinen-Fabrik noch gut im Gedächtnis, obwohl inzwischen ein Jahrzehnt vergangen ist. "Die Walter Fürst GmbH bekam die Fabrik 1991 fürn Appel und 'n Ei", erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter. "Zunächst wurden die so genannten Dumper - kleine Kipper auf vier Rädern - wie zu DDR-Zeiten weiter gebaut." Später zog dann auch eine Gardinen- und Spitzenfabrik mit ein. Doch ab etwa Mitte der 90er Jahre herrschte in den Hallen Stille. "Die Produktion wurde noch einmal verkauft und dann eingestellt, die Grundstücke behielt die Walter Fürst GmbH", sagt eine Insiderin.

Doch offensichtlich hat sich die Firma mit ihren Immobilien verspekuliert. "Die GmbH ist in Konkurs gegangen", weiß inzwischen auch Klaus Wittmann vom Bauordnungsamt, für das die Fabrik vor zwei Wochen noch ein unbeschriebenes Blatt war. Die Fabrik und der Grund an der Paunsdorfer Straße 70 wurden jedoch aus der Konkursmasse herausgenommen, hätten Mitarbeiter recherchiert. Von dem Konkursverwalter sei das ein geschickter Schachzug gewesen, so Wittmann, denn die Sicherung des Geländes muss jetzt die Stadt übernehmen. "Wir versuchen, den früheren Geschäftsführer Küth aufzutreiben", sagt Wittmann. Doch nach ersten Informationen habe sich der nach Amerika "abgesetzt".

Noch teurer als die bauliche Sicherung des Geländes könnte es allerdings allerdings werden, den Müll zu beräumen. Das Amt für Umweltschutz, das für mögliche Altlasten zuständig ist, will sich dazu nicht äußern. "Wir haben den Fall an das Rechtsamt weitergeleitet", teilte Amtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch mit.

Der Zustand des Geländes stieß dagegen bei mehreren Lesern auf Unverständnis. "Jeder Autofahrer konnte beim Vorbeifahren den Zustand erkennen", schrieb Andreas Kunert. "Warum haben Mitarbeiter der Stadt Leipzig diese Fabrik nicht gesehen oder wollte man den Zustand nicht erkennen?", fragt er sich. Und Ulrich Rohland nennt den Niedergang der Fabrik "ein trauriges Kapitel Wiedervereinigungsgeschichte".

Stephanie von Aretin



 
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