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«Leipzig hat ab Juni einen Tierfriedhof» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Samstag, 20. November 2004

Leipzig hat ab Juni einen Tierfriedhof


Novum für Leipzig: Im Juni 2005 wird in Stötteritz der erste Tierfriedhof der Stadt eröffnet - auf Grund und Boden einer Kirchgemeinde.

Gerade erst berichtete die LVZ über Ex-Elektriker Marcus Bauer, der vor anderthalb Wochen in der Gorkistraße ein Haustier-Bestattungsinstitut eröffnete und zu seinem großen Bedauern die sterblichen Überreste von Bello, Miez & Co. derzeit nur auf Tierfriedhöfen in Frankenheim und Naunhof beerdigen kann, nicht aber in der Messestadt. Dem 26-Jährigen ist zu empfehlen, sich umgehend mit der Diakonischen Leipziger gGmbH (DLG) in Verbindung zu setzen. Die gemeinnützige Gesellschaft unter dem Dach des Berufsbildungswerks für Hör- und Sprachgeschädigte hat wie Bauer die Marktlücke erkannt, ist aber schon ein paar Schritte weiter als der Institutsbesitzer. "Wir eröffnen im Juni 2005 auf dem Gelände unserer neuen Gärtnerei in Stötteritz Leipzigs erste Ruhestätte für Haustiere", sagt Christoph Schnabel, bei der DLG Bereichsleiter für Menschen mit geistiger Behinderung. Eine entsprechende Ausnahmegenehmigung aus dem städtischen Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt ist der Gesellschaft vor wenigen Tagen zugegangen.

Mit besagter Gärtnerei ist ein rund 11000 Quadratmeter großes Areal in der Albrechtshainer Straße/Ecke Handwerkerhof gemeint, dass unmittelbar an den Friedhof der Marienkirchgemeinde grenzt und den evangelisch-lutherischen Christen auch gehört. Mehr als 100 Jahre lang wurde der Flecken Erde im Grenzgebiet von Stötteritz und Mölkau von Gartenbaubetrieben genutzt und bot Bilder blühenden Lebens. Bis zum Frühjahr 2001, da wurde dem Grundstück zweifelhafte Berühmtheit zuteil. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Kirche das Areal neben dem Gottesacker einem Verein überlassen, der es nach dem Vorbild der Vorpächter weiter bewirtschaften wollte. Doch bei der Absichtserklärung blieb es. Mitgliedern der Mariengemeinde fiel alsbald auf, dass rein äußerlich keinerlei Wachstum zu verzeichnen war. Dafür spross es im Inneren der alten Gewächshäuser umso heftiger. Dort entdeckte die Polizei 850 Cannabis-Pflanzen.

Das Drogen-Nest wurde ausgehoben, die Fläche kurz darauf an die DLG verpachtet. Die krempelte alles um und eröffnete jetzt am Handwerkerhof 6a ihre neue Gärtnerei. Knapp zwei Dutzend geistig Behinderte, angeleitet von fünf Fachleuten, bauen auf 3000 Quadratmetern all das an, was für die Bewirtschaftung der Friedhöfe von Stötteritz und Thekla, für die Pflege der Grünanlagen des MDR oder der Gärten privater Kunden gebraucht wird.

Bleiben noch etliche Quadratmeter übrig. Aus denen wird gerade Leipzigs erster Tierfriedhof. Hier finden tote Hunde, Katzen, Frettchen, Kaninchen, Meerschweinchen oder Ziervögel ihre letzte Ruhe - entweder als Kadaver in Holzsärgen oder kremiert in Urnen. Landwirtschaftliche Zucht- und Nutztiere sind ausgenommen. Laut DLG-Mann Schnabel wird der komplette Service geboten: Der verstorbene tierische Liebling wird abgeholt, präpariert, in einem Abschiedsraum vor der Beisetzung noch einmal präsentiert. In Absprache mit der Kirchgemeinde gibt es aber keine religiöse Zeremonie und keine Verwendung des Namens Tierfriedhof. "Wegen des benachbarten Friedhofes für Menschen sprechen wir bewusst von Ruhestätte für Heimtiere", sagt Schnabel.

Dominic Welters


Diakonische Leipziger gGmbH;Telefon (0341) 2 67 70 12 Fax (0341) 2677098; E-Mail: info@dlg-leipzig.de



 
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