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«Stadt legt Südost-Ring auf Eis» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Montag, 28. November 2005

Stadt legt Südost-Ring auf Eis


Die Planungen für den Mittleren Ring Südost werden "voraussichtlich bis 2015" ausgesetzt. Frühestens 2012 soll über die Wiederaufnahme entschieden werden. Dies geht aus einem internen Papier des Rathauses hervor, das der LVZ vorliegt. Der Trassenverlauf - die teuerste Variante entlang der Bahngleise würde stolze 113 Millionen Euro kosten - bleibt bis dahin offen.

"Wäre Olympia gekommen, hätten wir das sicher straff durchgezogen", sagt Edeltraut Höfer. Die Chefin des Amtes für Verkehrsplanung verheimlicht nicht, welcher Trassenverlauf dann gebaut worden wäre. Die Bahnvariante sei aus fachlicher Sicht am besten. Mit so einer vierspurigen Neubaustrecke gleich neben den Güterring-Gleisen müssten nicht mehr täglich Automassen durch die alten Ortskerne von Mölkau und Stötteritz walzen. Folglich gab die Stadt allein diese Version in ihren offiziellen Bewerbungsunterlagen für Olympia 2012 an. Doch der Traum von den Spielen war bald passé. Seither ist alles wieder offen. Und das Geld knapp.

"Die Bahntrasse wäre sehr teuer, ja", fasst Höfer den letzten Stand der Vorplanungen zusammen. Doch auch die andere Variante - mit einer Schneise durch die Kommandant-Prendel-Allee - sei nicht billig. Exakte Zahlen will sie trotz Nachfrage nicht nennen. "In der Abwägung der Vor- und Nachteile ist das ein ganz schwieriges Thema. Darum kümmern wir uns erst wieder zwischen 2012 und 2015. Vielleicht sind dann die Sachzwänge anders."

In Anbetracht der Fakten bleibt das unwahrscheinlich. Laut der internen Bestandsaufnahme, die die Rathausspitze abgenickt hat, kostet die Bahnvariante 113 Millionen Euro. Hingegen wäre die Alternative durch die Prendelallee und Paunsdorfer Straße mit 27 Millionen Euro vergleichsweise billig. Die dritte untersuchte Version - ein Ausbau der heutigen Streckenführung auf vier Spuren - findet bei den Planern keinerlei Gefallen (siehe rechts). "Selbst bei einer jährlichen Neuinvestition von 15 Millionen Euro, die aufgrund der aktuellen Haushaltslage als optimistische Annahme gelten muss, könnte angesichts dringlicherer Projekte nicht vor dem Jahr 2016 begonnen werden", heißt es in dem Amtspapier zur Zukunft der Trasse. Eine zirka zehnjährige Planungsunterbrechung sei "unvermeidbar".

Dennoch will Höfer auch die sündhaft teure Bahnvariante nicht beerdigen. "Ich denke, wir sind gut beraten, alle Varianten im Topf zu lassen." Ein vierspuriger Ring sei nach wie vor nötig. Nun könne man erstmal in Ruhe beobachten, wie sich die Fertigstellung der Prager Straße und des Autobahnrings auf die Verkehrsströme im Südosten auswirken.

Michael Kerreit hat für die Entscheidung, nicht zu entscheiden, kein Verständnis. "Das ganze Trauerspiel geht seit 1992", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative Contra Bahnvariante. Seither laufe schon die dritte Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) durch externe Firmen. Auch im Amt selbst seien seit Jahren Planer mit der Sache beschäftigt. "Es kann nicht sein, dass da Zehntausende Euro für nichts ausgegeben werden. Und 2012 beginnt dann vielleicht die vierte UVS."

Wenn sich die Stadt jetzt um ein Votum drücke, verhindere sie Investitionen an allen Trassen. "Das heißt, es verwahrlost überall." Kerreit fordert, zumindest die vor zweieinhalb Jahren begonnene dritte UVS rechtsgültig abzuschließen und die Bürger über das Ergebnis zu informieren. "Diese Studie liegt im Rathaus vor. Doch zu unserem Erstaunen erklärte Frau Höfer kürzlich bei einem Forum, die UVS sei unvollständig und nicht verwendbar."

Auch die Bürgerinitiative Mölkau-Stötteritz, die für die Bahnvariante kämpft, verlangt Einsicht in die UVS. Der Inhalt werde sicher ihr Ziel unterstreichen, Automassen nicht durch Wohngebiete zu leiten, glaubt Sprecher Christian Jonas. "Das Vertagen der Entscheidung ist keine gute Nachricht. Es heißt, dass die heutige Situation noch 15 Jahre bleibt. Die Paunsdorfer Straße wird weiter ausgeblutet."

Höfer argumentiert dagegen, der Entschluss über einen Trassenverlauf müsse zeitnah zum Bau erfolgen. Sonst sei er rechtlich anfechtbar. Gleiches gelte für die UVS. Wie viel Geld bereits in Studien und Vorplanungen geflossen ist, könne sie nicht sagen. "In meinem Amt war ein Mitarbeiter mit der Vorplanung beschäftigt." Die UVS abzuschließen, würde nur noch mehr kosten: "Diese Summe möchte ich lieber sparen."

Jens Rometsch




 
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