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«"Streit dauerte ein halbes Jahr, Schlichtung nur drei Stunden"» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 20. April 2004

"Streit dauerte ein halbes Jahr, Schlichtung nur drei Stunden"


Die Mediatorin Ines Zoboralski vermittelt in Mölkau bei Konflikten zwischen Nachbarn, Mietern oder in der Familie. Wir trafen sie zum Interview.

Frage: Wann bieten sich Schlichtungen an?

Ines Zboralski: Es muss ein Interesse bestehen, die persönliche Beziehung zu erhalten, zum Beispiel in der Familie, unter Mietern oder Nachbarn. Wenn's ums Recht haben geht, sind Schlichtungen - auch Mediation genannt - nicht geeignet. Sie behandeln nicht Ansprüche, sondern Interessen. Das kann sich unterscheiden.

Mit welchen Problemen kommen Bürger zu Ihnen?

Zum Beispiel Streit unter Nachbarn: Die Wurzeln eines Baums drücken die Bodenplatten des Nachbarn hoch oder ein Ast hängt über die Grundstücksgrenze. Der Konflikt schaukelt sich hoch, bis die Nachbarn nicht mehr miteinander sprechen, und wenn, nur über das Problem. Obwohl beide eine Lösung wollen, bedrohen sie sich mit gerichtlichen Klagen. In diesem Stadium ist es schwierig, die persönliche und die sachliche Ebene zu trennen.

Wo setzt die Schlichtung an?

Zunächst geht es darum, die Parteien dazu zu bewegen, wieder miteinander zu sprechen. Das ist der schwierigste Punkt. Jeder erzählt aus seiner Sicht, die Situation schaukelt sich hoch. Ich sorge dafür, dass beide zuhören und sich in die Situation des anderen hineinversetzen. Die Lösung schlage aber nicht ich vor, sondern sie wird miteinander erarbeitet. Es entscheidet nicht ein Schiedsrichter, sondern es entscheiden die Parteien. In einfachen Fällen kann das schnell gehen: Der Streit dauerte ein halbes Jahr, die Schlichtung nur drei Stunden. Allerdings ist Kreativität notwendig: Zunächst werden die verschiedensten Möglichkeiten betrachtet.

Wie kamen Sie zur Mediation?

Während meiner praktischen Ausbildung in Österreich lernte ich Mediation kennen. Weil dort die Anwaltskosten sehr hoch sind, sind viele bestrebt, außergerichtliche Lösungen zu finden. Auch in Bayern sind Schlichtungsverfahren bei Streitwerten bis 750 Euro grundsätzlich vorgeschrieben. Am Amtsgericht Leipzig gibt es derzeit ein Pilotprojekt, in dem geprüft wird, wann gerichtsnahe Mediation durchführbar ist - zum Beispiel im Familienrecht oder bei Erbschaften. Für mich ist es ein schönes Gefühlt, dass bei einem Schlichtungsverfahren beide Seiten gewinnen. Damit können persönliche Beziehungen erhalten werden.

Die Schlichtungsstelle im ehemaligen Mölkauer Gemeindeamt ist jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat von 15.30 bis 17.30 Uhr besetzt. Ein Gespräch kostet 50 Euro.



 
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