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«Neues Domizil für Krabbeltierchen: Insektenhotel steht im Gut Mölkau» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Freitag, 16. April 2004

Neues Domizil für Krabbeltierchen: Insektenhotel steht im Gut Mölkau


Noch ist es unbewohnt, aber bald schon soll es im neu entstandenen Insektenhotel auf dem Gut Mölkau vor Leben buchstäblich nur so wimmeln. Gestern wurde das hölzerne Haus von den Erbauern, den Mitgliedern des Jugendklubs Mölkau offiziell eingeweiht. Was nun noch fehlt, sind die Bewohner.

"Ganz links oben in die Ecke, in den rot angemalten Kasten sollen Florfliegen einziehen", erklärte Anke Kästner, die Vorsitzende des Klubs. Die rote Farbe wirke auf die grünlichen Tierchen geradezu anziehend. "Und das Beste ist, die Fliegen ernähren sich hauptsächlich von den schädlichen Blattläusen", fügte Angelika Schubert, Vorsitzende des Vereins Columbus und selbst Erbauerin von bereits acht Insektenhotels, hinzu.

Gleich unter dem roten Domizil für die Florfliegen stehen schon Baumscheiben für den Einzug der Wildbienen bereit. "Allerdings fehlen in den Scheiben noch die Löcher, in denen sich die Bienen verstecken können", stellte Fachfrau Schubert fest.

Mit den Bienen und Florfliegen sollen später gewissermaßen Tür an Tür Spinnen, Ohrenkneifer, Wespen und andere Krabbeltierchen leben. Einnisten können sie sich in den verschiedensten Zimmerarten: Stroh, rote Ziegelsteine mit kleinen und großen Löchern, Schilf und Stöckchen - all diese Materialien laden die Insekten zum Träumen ein.

Damit die es schön kuschlig haben, schleppte Juliane Gallina unzählige Stöckchen und Schilfhalme aus dem Park im Gut Mölkau heran. Und das, obwohl sie auf Gräser allergisch ist. "Damit wurde der Bereich mit dem Maschendrahtzaun gefüllt", sagte die 15-Jährige mit Blick auf die rechte Seite der oberen Etage. "Nun hoffe ich, dass auch bald Spinnen und Käfer dort einziehen."

Gleiches hofft auch Ronny Harnisch, Mitarbeiter des Jugendklubs und Initiator des Insektenhotels. "Vor allem hoffe ich aber, dass es lange erhalten bleibt", warnte er vor baldigen Zerstörungen. Eigentlich sollte die Insektenheimat an einen unbelebteren Platz in Mölkau gestellt werden. "Aber da wäre das Risiko noch größer gewesen", so der 21-Jährige. Auf dem abgesperrten Gut hoffen die Jugendlichen, dass sich recht viele Spaziergänger, Radfahrer und andere Besucher an dem "Vier-Sterne-Hotel" erfreuen können.

Die sechsjährige Svenja jedenfalls bekam bereits gestern bei der Eröffnung große Augen. "Von nun an komm' ich öfter hierher", stellte die junge Mölkauerin klar. Schließlich müsse sie ja überprüfen, ob sich die Käfer, Fliegen und Spinnen in ihrem neuen Zuhause wohl fühlen.

Ganz zum Schluss gab's für die Erbauer noch einen Tipp von "Spezialistin" Angelika Schubert: "Ich würde das Hotel nach unten noch erweitern. Dann haben auch Igel und Erdhummeln die Möglichkeit sich einzuquartieren."

Linda Polenz



 
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