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«Helfer retten im Minutentakt - und Mölkau gewinnt» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 6. April 2004

Helfer retten im Minutentakt - und Mölkau gewinnt


Großeinsatz am vergangenen Sonnabend in Taucha: Zwei Brandverletzte, ein Stromschlag-Opfer und eine verirrte Person - die Helfer der acht Ortsgruppen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Kreisverband Leipzig-Land hatten alle Hände voll zu tun. Aber nur zur Übung, denn auf dem Gelände des Altenpflegeheimes fand der diesjährige Kreisausscheid statt. Sieger wurde das Team aus Mölkau. Mitgenommen und sprachlos sitzt Tom Andrich auf der Kellertreppe des Altenpflegeheimes in Taucha. Sein Bein schmerzt, der Schock sitzt tief. Gerade wollte er seinem Kollegen, der einen Stromschlag erlitten hatte, zu Hilfe eilen, da stolperte der Junge die Treppe hinunter. Das Team der DRK-Ortsgruppe Mölkau zögert keine Sekunde. Vor allem das bewusstlose Stromschlag-Opfer braucht dringend medizinische Hilfe. In die stabile Seitenlage bringen, ansprechen, Notruf absenden, zudecken, aus dem Haus tragen - jeder Handgriff der drei Jungs und zwei Mädchen sitzt. Schließlich bleibt nicht viel Zeit. Um genau zu sein: zehn Minuten.

Dann der nächste Einsatz. Keine Atempause für die freiwilligen Retter aus Mölkau. Eine Frau wurde als vermisst gemeldet. Ein Waldstück muss abgesucht werden. Hundeführerin Kristina Dreimann ist mit Schäferhund Rick bereits zur Stelle, als die Retter eintreffen. Die Schutzhelme sicher auf dem Kopf befestigt, geht's für Uwe Kunad und seine Truppe mitten durchs Gestrüpp. Die Hand schmerzt Sybille Hoyer, noch mehr jedoch ihre Füße. "Vom vielen Laufen?", fragt Retterin Ilka Hofmann, während sie die verstörte Patientin in eine silberne Rettungsdecke packt. Gestützt durch Mark Bernhardt und Ilka Hofmann wird die Vermisste sicher aus dem Wald gebracht. Nun kann der sofort alarmierte Rettungswagen übernehmen.

Für das Mölkauer DRK-Team bleibt keine Zeit zum Verschnaufen. Ein greller Aufschrei in der Nähe ist zu hören. Im Laufschritt geht's zur nächsten Einsatzstelle. Truppenleiter Kunad checkt die Lage: "Zwei Verletzte nach einem Unfall mit Brandbeschleunigern." Der Geruch von verkohltem Holz liegt in der Luft - jetzt ist keine Zeit zu verlieren. Das Bild, das sich den Rettern an der Unfallstelle bietet, ist eindeutig: Der ältere Herr hat stark gerötete Haut und dicke Brandblasen über der rechten Gesichtshälfte. Neben ihm sitzt Kristin Hertzsch. Sie trieb ebenfalls das gefährliche Spiel mit dem Feuer. Nun ist die Haut an ihren Unterarmen regelrecht abgefetzt.

Der Schock steht dem Mädchen ins Gesicht geschrieben. Schließlich musste sie mit ansehen, wie sich ihr Kollege am Feuer verbrannte - und das schon zum achten Mal. Denn Kristin Hertzsch ist eine von vielen Mimen, an denen die ehrenamtlichen Retter zum Kreisausscheid ihr Können unter Beweis stellen. Damit sie und die anderen "Opfer" so geschunden wie möglich aussehen, hat sich Ines Meister vom Ortsverein Mölkau zuvor mächtig ins Zeug gelegt. Schwämmchen, Pinsel und jede Menge Farbe - Utensilien ihres Schminkköfferchens. "Wir haben in unserer Ortsgruppe einen Schmink- und Mimentrupp", erklärt die gelernte Sekretärin. Dort lernen fünf Mädchen und ein Junge, wie Verletzungen detailgetreu nachgebildet werden - damit die Retter der Bereitschaften auch die richtige Diagnose stellen können.

Ortsgruppen und Wasserwachten aus Zwenkau, Markranstädt, Pegau, Wiederau, Schkeuditz und Mölkau nehmen an dem Kreisleistungsvergleich teil. Dabei ist nicht nur Praxis, sondern auch Köpfchen gefragt. "Es gibt zwei Theoriestationen", erklärt Kreisbereitschaftsleiter Heiko Rabe. Hinzu kommt die Praxis am Verletzten, beim Zeltbau und der Einrichtung einer Notunterkunft.

Am Ende schlagen sich die Mölkauer - nun schon zum vierten Mal - am besten und feiern zusammen mit ihrem ebenfalls erfolgreichen Jugendrotkreuz einen Doppelsieg. Auf den Plätzen zwei und drei landen die Teams aus Zwenkau und Schkeuditz. Mölkaus Truppenleiter Uwe Kunad will sich auf den Lorbeeren allerdings nicht ausruhen. "Klar freuen wir uns über den Sieg", sagt er. "Aber nun heißt es noch mehr üben für den Landeswettbewerb." Der findet am 26. Juni in Radebeul statt.

Linda Polenz



 
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