Mölkau ein Ortsteil von Leipzig

Östlich von Leipzig, an den Grenzen zu den alten Leipziger Stadtteilen Paunsdorf, Anger-Crottendorf und Stötteritz liegt der Ort Mölkau. Seine urkundliche Ersterwähnung erfolgte am 18. September 1324, also vor 675 Jahren, nach dem Markgraf Friedrich zu Meißen "drei Hufen Land", die Johannes von Machern zu Lehen gehalten hatte, dem Thomaskloster zu Leipzig als Geschenk übergab. Das ist die Geburtsstunde von Mölkau, damals als sorbisches Dorf "Mylkowe" genannt. Weitere Namensformen waren Milkowe, Melkow, Melka und 1666 Melckau bis zur heutigen Schreibweise Mölkau.

Mölkau zu beschreiben, ohne die südöstlich gelegene Ortschaft Zweinaundorf zu betrachten, wäre ein grober Fehler. Im Jahr 1335 werden die beiden Dörfer Kellners Nuendorf und Gottschalges Nuendorf erstmals urkundlich erwähnt. 1607 wird aus dem Ober- (Gottschalges) und dem Nieder- (Kellners) Nauendorf die Bezeichnung Zwei Navendorf bzw. Zwey Nauendorf. Die Orte waren durch die Landwirtschaft geprägt, wesentlichen Einfluss darauf hatte das Rittergut in Niedernauendorf.

Die Orte Mölkau und Zweinaundorf werden am 1. April 1934 zusammengeschlossen und tragen seitdem den erstgenannten Ortsnamen gemeinsam. Der Volksmund kennt aber heute noch die Trennung, nämlich "Mölge" und "Zwerrns".

Auch das alte Mölkau hatte eine ausgeprägte landwirtschaftliche Entwicklung, das bezeugt der historische Ortskern "Dorfplatz" mit 10 Bauernhöfen, als zur Sackgasse erweitertes frühdeutsches Runddorf um den Bachlauf der östlichen Rietzschke angelegt. Im Mittelalter wütete die Pest und forderte viele Opfer wie auch die Kämpfe während der Völkerschlacht. Hier hatten die Mölkauer und Zweinaundorfer sehr zu leiden. Von Kampfhandlungen zeugt als Denkmal der Apelstein Nr. 39 auf dem alten Mölkauer Friedhof und eine Gedenktafel am Haus Schulstr. 20, an der Stelle des ehemaligen Gefechtsstandes von General Bennigsen, der am 18. Oktober 1813, 5 Uhr nachmittags den letzten französischen Reiterangriff abwehrt und General Ryssel den Übergang von 2400 Sachsen mit 26 Geschützen meldet.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. siedelten sich zunehmend Industriebetriebe in Mölkau an, was durch den Bau der Eisenbahnstrecke Leipzig Chemnitz und zu klein gewordene Firmensitze in Leipzig begünstigt wurde. Mölkau erhielt neben dem Bau von mehrstöckigen Wohnhäusern, vor allem für Industriearbeiter vorgesehen, den Rang einer stadtähnlichen Gemeinde.

In der ersten Hälfte des 20. Jh. wurden Siedlungshäuser errichtet, so auch in Zweinaundorf, nur ein Industriebetrieb kann hier Fuß fassen, der aber bald durch die Weltwirtschaftskrise ins Aus gerät.

Für die Leipziger Bürger wird Zweinaundorf zum interessanten Wohnort im Grünen. Besonders östlich der Eisenbahnlinie werden in den 20er Jahren Einfamilienhäuser gebaut, wie auch in den 30er Jahren westlich dieser Linie.

Auch in Mölkau werden Ende der 20er Jahre und in den 30er Jahren Siedlungen sowie mehrstöckige Reihenhäuser errichtet, die Bautätigkeit kommt aber während des II. Weltkrieges völlig zum Erliegen.

Zahlreiche Gebäude stehen unter Denkmalsschutz, so die Mölkauer Kirche, erbaut 1614 und das Rittergut Zweinaundorf, ein Lehngut, was bereits im 15. Jh. genannt wird, in den Jahren 1993 bis 1998 durch den Betrieb für Beschäftigungsförderung (bfb) umfassend saniert und rekonstruiert, wird jetzt wie folgt bezeichnet: Ökologische Stadtgüter Leipzig, Gut Mölkau. Es wird ökologische Viehwirtschaft betrieben, auf den Feldern wird unter ökologischen Bedingungen Tierfutter angebaut und es gibt eine Bauernhofschule mit Landschulheim. Hier werden Schüler mit der Landwirtschaft vertraut gemacht.

Auch das Mölkauer Gemeindeamt aus dem Jahr 1925 sowie das Zweinaundorfer Gemeindeamt von 1913 stehen unter Denkmalsschutz. Beide Gebäude weisen weine interessante Architektur auf. Nach 25 Jahren sehr geringer Bautätigkeit wurden nach der Wende intensiv Wohngebäude errichtet. Dies zeigt sich auch an den Einwohnerzahlen, die von einem Tiefstand im Jahr 1991 (3700 Einwohner) mit knapp 6000 Einwohnern wieder den Stand der 50er Jahre erreicht haben.

Ab 1993 konnten zwei Gewerbegebiete erschlossen werden in denen zahlreiche, vor allem ortsansässige Gewerbetreibende  ihre Unternehmen aufbauten. In einem Industriegebiet in der Chemnitzer Straße siedelten sich neue Unternehmen an, so wurde das Entstehen einer Industriebrache vermieden.

In den letzten 10 Jahren konnte in Mölkau ein Ärztehaus geschaffen werden, hier praktizieren niedergelassene Ärzte, Physiotherapeuten, eine Apotheke ist ebenfalls vorhanden, es gibt drei Märkte für die Versorgung der Mölkauer, kleinere Ladengeschäfte für nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens und mehrere Gaststätten. Nicht zu vergessen sind unsere Schulen, in der Grund- und Mittelschule lernen Kinder auch aus Baalsdorf, Engelsdorf und Kleinpösna. Der Schulhort betreut Kinder der 1. 4. Klasse der Grundschule und in einem neu erbauten Kindergarten sowie in einer Kinderkrippe können sich die Kinder in beispielhafter Weise wohl fühlen. Die Freiwillige Feuerwehr Mölkau ist bei vielen Einsätzen zuverlässig zur Stelle. Der Sportverein Mölkau 04 hat einen guten Namen, der Carnevalclub Mölkau ist über die Grenzen von Mölkau und Sachsen bekannt und erfreut jährlich Tausende Närrinnen und Narren in der 5. Jahreszeit. Der Heimat- und Kulturverein Mölkau ist ein aktiver Faktor im kulturellen Leben von Mölkau, es wurden die Feiern zum 675. Ortsjubiläum organisiert. Neben Laienkünstlern der Vereine, der Schulen, des Horts und des Kindergartens kamen auch wieder Stargäste zum Auftritt. Außerdem wurde ein Schauprägen und der Verkauf einer Gedenkmedaille durchgeführt. In den vergangenen Jahren wurde von Pfarrer i.R. Gottfried Müller die Entwicklung von Mölkau im 20. Jahrhundert aufgezeichnet. Pünktlich zur Eröffnung der Festwoche am 12. September 1999 wurde das Geschichtswerk "Mölkau im 20. Jahrhundert Geschichte und Geschichten" editiert.

Ab dem Jahr 2000 werden nun jährlich "Heimatfeste" organisiert und durchgeführt.

Robert Korff, Vorsitzender


Enthüllung der Gedenktafel "Völkerschlacht" am 18.10.2002

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